|
![]()
Ökostrom für Schule gefordert – in Madrid zum Sieger gekürt:
Klasse 9a der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule Ahrensburg wird nationaler Sieger des europäischen Energiewettbewerbs U4Energy des European Schoolnet und findet sich plötzlich zwischen Eurokrise und europäischen Freunden wieder.
„Ich konnte es kaum glauben, als im September die Mail aus Brüssel kam, dass wir uns mit unserem CO2-Sensibilisierungs-Projekt „99 Luftballons... die CO2-Bilanz unserer Schule“ als nationale Sieger des U4Energy-Wettbewerbs in unserer Kategorie behaupten konnten“, freut sich der Klassenlehrer und stellvertretende Schulleiter der SLG Dr. Karsten Jonas noch immer direkt nach seiner Rückkehr aus Madrid. Im Mai 2011 hatte die Klasse 9a der SLG Ahrensburg eine breite Öffentlichkeitskampagne gestartet, um sich für einen bewussten Umgang mit dem klimaschädlichen Gas CO2 einzusetzen. Dazu wurden Passanten auf dem Ahrensburger Markt informiert, Mitbürger über Zeitungen für ihr Anliegen begeistert und schließlich ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Sarach geführt, um sich für eine Einführung von Ökostrom an der SLG Ahrensburg einzusetzen. Bürgermeister Sarach sagte seine Unterstützung zu, ebenso wie auch viele andere Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Umsetzung dieses Projektes schon im Vorfeld aktiv mit unterstützt hatten und damit einmal mehr die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der SLG und dem Schulträger bestätigt hatten. Nun ist es am Umwelt- und Finanzausschuss, die entsprechende Entscheidung zu treffen: „Wir als Schule wissen, dass die Haushaltslage der Stadt Ahrensburg angespannt ist. Dennoch hoffen wir, dass der Finanzausschuss eine Entscheidung trifft, die sich nicht nur am größtmöglichen Sparpotential orientiert – die Einsparung von CO2 ist meines Erachtens wesentlich wichtiger, um langfristig und nachhaltig zu handeln“, betrachtet Jonas – der selber seit Jahren nur Ökostrom für seinen Privathaushalt bezieht - kritisch die aktuelle Lage der städtischen Finanzen im Hinblick auf die etwas höheren Kosten für Ökostrom. „Eine Umstellung aller städtischen Einrichtungen auf Ökostrom würde eine enorme Einsparung an CO2 pro Jahr bedeuten und wäre ein deutliches Zeichen auch an andere Kommunen und auch an Privathaushalte. Ein „Weiter so wie bisher“ käme uns langfristig nur noch teurer“, so Jonas weiter.
Nach dem Eingang der Mail aus Brüssel ging dann alles ganz schnell: Ein Brüsseler Reisebüro organisierte im Auftrag des European Schoolnet die Flüge für die Lehrkräfte und die begleitenden Schüler zu Verleihungszeremonie für Westeuropa am 20. / 21.10.2011 in Madrid und die ADEAC-Fee, eine spanische NGO aus dem Bereich Umweltschutz, den meisten Deutschen wohl bekannt durch die Zertifizierung der sog. „Blauen Flagge“ als Umweltsiegel an den spanischen Stränden, organisierte die Zeremonie vor Ort in Madrid. So trafen Lehrer Jonas und Schülerin Isabelle Göbler in Madrid auf Kollegen und Mitschüler aus Norwegen, Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal. Drei weitere Zeremonien für die anderen europäischen Regionalgruppen fanden die Wochen zuvor in Neapel, Sofia und Vilnius statt. „Die Klasse 9a hatte einige Bedenken, für die Preisverleihung Flüge nach Madrid zu nutzen, da diese wiederum CO2 produzieren würden“, berichtet Jonas kritisch zu den Vorbereitungen für die Reise. „Letztlich teilten wir aber die Meinung des spanischen Botschafters Jose Sanchez Moro, Präsident von ADEAC-Fee und ehemaliges Kabinettsmitglied der spanischen Regierung: „Es ist wichtig, junge Menschen aus Europa zusammenzubringen und diese herausragenden Wettbewerbs-Leistungen auch entsprechend zu würdigen. Das für diesen Wettbewerb genutzte Geld und das dabei produzierte CO2 werden sich mittel- bis langfristig mehrfach amortisieren und unserer jungen Generation helfen, nachhaltiger zu wirtschaften, als wir es getan haben“, reflektiert der 66-Jährige während der Zeremonie nachdenklich mit Blick auf die in Madrid anwesenden Gäste und in einer Art und Weise wie es wohl nur einer kann, der in seiner politischen Karriere schon einige schwierige Entscheidungen mitzutragen hatte. Sanchez Moro ist ein leidenschaftlicher Europäer und seine Ausführungen zu Europa, Freundschaft und Finanzkrise lassen wohl kaum jemanden unberührt: „99 Prozent aller Europäer haben gerade das zu ertragen, was ein Prozent verbockt hat, davon dürfen wir uns in unserer kulturellen Zusammengehörigkeit aber nicht beirren lassen. Europa ist ein Puzzle und alle Teile gehören zusammen“, führt Sanchez Moro in Madrid mit Blick auf die 328 für die Schlussrunde des Wettbewerbs qualifizierten Schulen aus ganz Europa aus.
![]() Durch die Veranstaltung in Madrid führte die spanische Fernsehmoderatorin Olivia Freijo Lloyd, welche angesichts ihrer familienbedingten Zweisprachigkeit von Spanisch und Englisch fließend und gewinnend moderieren konnte und dem Gewirr aus Norwegisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Portugiesisch einen passenden Rahmen geben konnte: „Je nachdem mit wem man auf der Veranstaltung gerade gesprochen hat, wurde eine passenden Sprache gewählt, sodass möglichst alle dem Gespräch Beiwohnenden zuhören mitreden konnten. Das war nicht immer einfach, aber immer schön und spannend und unterstreicht die Notwendigkeit, mehr als die eigene Muttersprache zu können“, berichet Jonas. Die Schülerin Isabell Göbler fasste ihre Einsichten so zusammen: „Hauptsache man redet mit den Menschen, egal ob die Grammatik nun gerade richtig ist oder nicht“ und ist von der ganzen Veranstaltung sichtlich beeindruckt.
Weitere Beiträge zum Programm der Veranstaltung in Madrid lieferten der Ökologie-Professor Dr. Javier Benayas von der Freien Universität Madrid, Isidoro Tapia, Generalsekretär des spanischen Industrieministeriums, Marta Mugica, Kommunikationsbeauftragte der Europäischen Kommission in Spanien, Juan Carlos Duenas Cardiel, Direktor des nationalen Zentrums für Umwelterziehung, Ana Justel, Direktorin des statistischen Büros der Freien Universität Madrid sowie Maria Jesus Campos Fernandez, pädagogische Beraterin des European Schoolnet.
Neben einer Urkunde und einem Pokal kann sich die Klasse nun auch über umfangreiches Experimentiermaterial für elektrotechnische und klimatechnische Versuche freuen, welches demnächst aus Brüssel geliefert wird.
In wenigen Wochen werden dann in Brüssel und in Anwesenheit des Schirmherren des mit 1,7 Millionen Euro für drei Jahre finanzierten U4Energy-Wettbewerbs, EU Energiekommissar Günther Oettinger, die drei Gewinner auf gesamteuropäischer Ebene bekannt gegeben, ebenso wie die drei Zweitplatzierten: „Ich kann nicht einschätzen, ob wir eine Chance auf den europäischen Gesamtsieg haben. Wir sind froh und stolz über das, was wir bisher geschafft haben, und die „Konkurrenz“ der Projekte auf europäischer Ebene ist absolut beeindruckend“, berichtet Jonas und ergänzt abschließend: „Wobei diese Konkurrenz eigentlich gar keine war oder ist: Es ist schön, von den anderen Projekten zu lernen, sich mit den vielen überaus engagierten Kollegen auszutauschen und gemeinsam an so einem wichtigen Thema gearbeitet zu haben“.
|







